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Mehr als einfach nur schöne Fassaden

Stuckateure wie Julian Pinkau müssen am Bau auch über räumliches Vorstellungsvermögen verfügen

Von Michael Banholzer Erstellt: 23. September 2017 öö

Mit der Kelle glättet Julian Pinkau die Wand eines Neubaus. Foto: Banholzer

 

Die Vielfalt der Arbeitswelt nimmt die VKZ in einer Reihe in den Fokus. In loser Folge stellen wir verschiedene Berufe und Ausbildungsplätze vor. Heute: Stuckateur. Das Verputzen von Mauern und Fassaden ist nicht nur eine harte körperliche Arbeit, sondern erfordert auch Kreativität und räumliches Vorstellungsvermögen.

Aurich/Eberdingen. „Des Gipsers Sand deckt des Maurers Schand'", heißt es im Volksmund. Stuckateure - oder Gipser - geben den Wänden eines neuen Hauses den letzten Schliff und übertünchen damit mitunter auch Fehler anderer Handwerker. Doch es geht bei ihnen nicht nur um schöne Oberflächen. Zu den Aufgaben gehören auch die Wärmedämmung von Häusern oder etwa die Bekämpfung von Schimmelpilzbefall. Einer, der das Handwerk schon von Kindesbeinen an kennt, ist Julian Pinkau aus Eberdingen.

Der 18-Jährige hat gerade seine Ausbildung bei der Auricher Firma Hettich abgeschlossen. Als Jahrgangsbester der Stuckateur-Innung Ludwigsburg, zu der auch die Vaihinger Betriebe gehören. Für seine Leistungen in Theorie und Praxis erhält er am nächsten Dienstag bei der Freisprechungsfeier in Ludwigsburg von der Innung als eine Art Prämie ein Auto, das er ein Jahr lang kostenlos nutzen darf. Bei der praktischen Abschlussprüfung musste Julian Pinkau dafür unter Beweis stellen, dass er die verschiedenen Elemente seines Berufes beherrscht: beispielsweise eine Wand mit Gips verputzen, einen Oberputz herstellen oder kunstvolle Stuckelemente kreieren.

Letzteres ist etwas, das Julian Pinkau besonders gerne macht. Zu seinem Bedauern seien kreative Verzierungen bei vielen Häuslesbauern aus der Mode. Sie wollten vor allem moderne, nüchterne Fassaden. „Stuck kommt heutzutage leider nicht mehr so oft vor." Bei der Renovierung alter Fachwerkhäuser sind ihm seine Fähigkeiten aber sehr von Nutzen. Der Wechsel zwischen alten und neuen Gebäuden mache den Beruf sehr spannend, sagt Pinkau, der inzwischen als Junggeselle für die Firma Hettich auf Baustellen rund um Vaihingen unterwegs ist.

Dort verputzen Julian Pinkau und seine Kollegen Außen- und Innenwände, hängen Decken mit Gipsplatten ab, legen teilweise sogar Estrichböden. „Gute Oberflächen sind wichtig", sagt der Nachwuchshandwerker. Und zwar nicht nur aus optischen Gründen. Sie haben auch funktionalen Charakter, beispielsweise als Schutzschicht gegen Feuchtigkeit.

Die Arbeit als Stuckateur fordert dabei Körper und Geist gleichermaßen heraus. Sie erfordert durchaus eine gewisse körperliche Kondition und Robustheit. Schließlich geht es um Arbeit am Bau - und dort herrschen nicht immer optimale klimatische Bedingungen. „In diesem Sommer war es extrem", erinnert sich Julian Pinkau. Bei Temperaturen um 30 Grad Außenfassaden herzustellen, ist gewiss nicht jedermanns Sache. Gearbeitet wird im Sommer von 7 Uhr in der Frühe bis etwa 16.30 Uhr - wobei sich die Mitarbeiter vor Arbeitsbeginn noch im Lager ihr benötigtes Material besorgen müssen. Im Winter werde etwas kürzer und mehr im Inneren gearbeitet. Doch auch dabei kann es im Rohbau sehr kalt sein. Mit diesen Extremen muss ein Stuckateur also umgehen können. Auch mit Arbeit in der Höhe. Denn oft muss auf einem Gerüst geschafft werden. Kleinere Einrüstungen mache man dabei selbst, erst bei größeren Projekten greife man auf einen Gerüstbauer zurück. Aber auch der Kopf ist bei diesem Beruf gefordert. Denn gestalterische Fähigkeiten und räumliches Vorstellungsvermögen sind ebenfalls sehr wichtig. Denn an Tür- und Fensteranschlüssen könne es kompliziert werden, sagt Pinkau. Um diese Stellen schön zu gestalten, müsse man sich reinversetzen können.

In Kontakt mit dem Beruf ist er schon früh gekommen. Sein Vater hat einen eigenen Stuckateurbetrieb und sei ein Liebhaber der Stuckarbeiten in alten Kirchen, erzählt der 18-Jährige. Schon im Alter von drei Jahren habe er den Vater auf die Baustelle begleitet. „Ich hatte immer Gefallen daran." Um den Beruf zu ergreifen, hätte Julian Pinkau ein Hauptschulabschluss genügt. Er besuchte jedoch das Gymnasium und brach dieses nach der mittleren Reife ab, um die Handwerkerlaufbahn einzuschlagen. Dank seines Abschlusses und der guten Noten wurde seine Ausbildungszeit von den üblichen drei Jahren auf zwei Jahre verkürzt. In den nächsten Jahren möchte er seinen Meister machen und vielleicht später noch den Techniker oder Restaurator oben drauf setzen. Sein langfristiges Ziel sei es, den Familienbetrieb eines Tages vom Vater zu übernehmen.

 

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Manch einer strebt die Selbstständigkeit an

Für 210 Azubis im Kreis Ludwigsburg ist die Lehrzeit erfolgreich zu Ende gegangen - Handwerksmeister Lang macht ihnen Mut

Von Günther Jungnickl Erstellt: 28. September 2017

 

Stolze Handwerker: Bei der Herbstfreisprechung werden junge Erwachsene für ihre Leistungen in der Ausbildung ausgezeichnet. Foto: Kuhnle

 

Bei der Herbstfreisprechung hat die Kreishandwerkerschaft am Dienstag im Forum am Schlosspark 210 erfolgreiche Junggesellen begrüßen dürfen. 39 davon waren junge Frauen.

Ludwigsburg. Fast bis auf den letzten Platz besetzt war der Bürgersaal des Ludwigsburger Forums, als Kreishandwerksmeister Albrecht Lang (Benningen) die Veranstaltung mit der Begrüßung der zahlreichen frischgebackenen Gesellen, ihren Ausbildern, Berufsschullehrern und Angehörigen sowie den Ehrengästen eröffnete. „Sie dürfen mit Fug und Recht stolz sein auf ihre Leistung, beglückwünschte er die ehemaligen Auszubildenden und bedankte sich vor allem bei deren Eltern dafür, dass sie ihre Kinder darin bestärkt hätten, einen Handwerksberuf zu erlernen. „Wir Handwerker tun uns nämlich nicht leicht damit, junge Leute für eine Ausbildung zu gewinnen, sagte er. Den handwerklichen Nachwuchs forderte er dazu auf, sich nicht nur beruflich weiterzubilden, sondern sich auch außerhalb der eigenen Branche zu engagieren: „Gehen Sie in einen Verein, zur Feuerwehr oder zum Roten Kreuz, bewerben Sie sich in ihrer Heimatgemeinde um ein Mandat im Gemeinderat oder engagieren Sie sich in Ihrer Innung.

Wie wichtig öffentliches Engagement ist, machte er am Beispiel der Wahl des neuen Bundestags am Sonntag deutlich. Denn bei seinen Recherchen sei er darauf gestoßen, dass es dort zuletzt nur noch 25 Abgeordnete gegeben hätte, die einst einen Handwerksberuf gelernt hätten. „Gegenüber anderen Berufsgruppen sind wir nicht sehr stark im Parlament vertreten, klagte Lang. Vom neuen Bundestag wünschte er, dass sich jetzt möglichst schnell eine funktionierende Koalition zusammenfindet, damit eine stabile und schlagkräftige Regierung gebildet werden könne. „Denn wir Handwerker brauchen nämlich verlässliche Rahmenbedingungen, sagte Lang.

Nachdem Geschäftsführerin Nicole Ackermann die Auszeichnungen an die bei den Prüfungen besonders erfolgreichen jungen Frauen und Männer verteilt hatte und der Kreishandwerksmeister die Freisprechungsformel gesprochen hatte, zu der sich alle Anwesenden von ihren Plätzen erhoben, bedankte sich die Damenschneiderin Lea Baltner im Name aller Junggesellen bei den Ausbildern, Lehrern und Angehörigen für ihre Unterstützung in den vergangenen drei Jahren.

Vor allem aber bei ihrer Lehrherrin Iris Gassner (Bietigheim-Bissingen), bei der sie viel gelernt und somit endlich ihren Platz und eine Perspektive für die Zukunft gefunden habe. Und die heißt irgendwann: Selbstständigkeit.

Die Preisträger: Für ihre guten Leistungen bei ihren Gesellenprüfungen erhielten die frischgebackene Maßschneiderin Lea Baltner (Firma Iris Gassner, Bietigheim-Bissingen) und der Zimmerer Jakob Schaaf (Rikker Holzbau, Affalterbach) von ihren Innungen die Preise.

Weiter gab es Belobigungen für die beiden Elektroniker für Energie und Gebäudetechnik Majdi Bouguecha (Firma Dirk Marschner Elektrotechnik, Kornwestheim) und Sven Metzger (Metzger Elektrotechnik, Freiberg), für die Fachverkäuferin Lebensmittelhandel Bäckerei Stefanie Haiber (Stöckle, Bietigheim-Bissingen) und die Fachverkäuferin im Lebensmittelhandel Fleischerei Melissa Negele (Neukauf, Offenburg). Ebenfalls eine Belobigung bekam der Fleischer Yannik Bäuerle-Schäufelin (Firma Walter Bäuerle-Schäufelin, Hemmingen).

Als Kaufmann für Büromanagement hat sich Rinor Hoxhai (Firma Refa-Dachbau, Freiberg) eine Belobigung verdient, sowie auch die Maler und Lackierer Lisa Kaiser und Manuel Miedl (beide Firma Gutjahr, Asperg), sowie Adrian Schneider (Firma Heinrich Schmid, Ludwigsburg). Dazu noch der Maurer Martin Gries (Firma Karl Köhler, Besigheim), die Metallbauer Christian Merkle (Schlosserei Walter Fröhlke, Walheim) und Patrick Scholz (Stahlbau Urfer, Remseck) sowie der Oberflächenbeschichter Mirko Luongo (Firma Hofbauer, Hemmingen). Dazu noch die Parkettleger Sascha Hahn, Andreas Marquardt und Tobias Rapp (alle Firma Bembé, Bad Mergentheim) und Michael Schulz (Firma Franz, Rot am See) sowie die Raumausstatter Katharina Blumenschein (Firma Becker, Korntal-Münchingen), Vanessa Zaoral (Firma Roser, Ensingen) und Leon Schenzle (Firma Feuerstein, Ludwigsburg).

Auch die Sattlerinnen Jamie-Lee Ellwein (Firma Kaai und Bosch, Ludwigsburg) und Lena Gerber (Firma Zeller, Aspach) wurden von ihrer Innung genauso gewürdigt, wie die Schreiner Tom Allgeier (Firma Unkel, Bietigheim-Bissingen), Alexander Dörner (Firma Sachse, Ludwigsburg), Felix Fadda (Firma Pfefferle, Tamm) und Tim Geißelhardt (Firma Vogt, Korntal-Münchingen). Auch Steinmetzin und Steinbildhauerin Lucia Dienberg (Firma Kirschler, Ludwigsburg) bekam eine solche Belobigung. Ausgezeichnet wurden ebenfalls der Stuckateur Julian Pinkau (Firma Hettich, Aurich) sowie die Modellbauer Bennet Schmidt und Jannik Stutzke (beide Fa. Reisinger, Erligheim). Pinkau wurde Jahrgangsbester der Stuckateur-Innung Ludwigsburg (die VKZ berichtete).

Wie immer gab es auch diesmal wieder eine ganze Reihe von Belobigungen für Zimmerer: Für Simon Benjamin Anders (Firma Harnoß, Steinheim), Manuel Becker (Firma Truckses, Eberdingen), Tim Joscha Dittmann (Firma Faller, Tamm), Felix Häfner (Firma Rainer Häfner, Großbottwar), Philipp Hutter (Firma Muny, Kornwestheim), Christian Kocher (Firma Arnold, Hemmingen), Lukas Muck (Firma Die Holzmeister, Benningen), Jonas Staudt (Firma Muny, Kornwestheim) und Oliver Straka (Firma Pfeiffer, Sachsenheim)